1919

Marie-JuchaczMarie Juchacz veranlasst am 13. Dezember 1919 in einer Sitzung des Parteivorstandes der SPD die Gründung eines Hauptausschusses der Arbeiterwohlfahrt.

1920-1931

Die Arbeiterwohlfahrt entwickelt sich zu zu einem großen Wohlfahrtsverband.
Friedrich Ebert, der erste deutsche Reichspräsident, gibt dem jungen Wohlfahrtsverband bei seiner Gründung das Motto: „Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der Arbeiterschaft.“ Mit diesem Wort wird deutlich gemacht, dass es sich nicht lediglich um eine Wohlfahrt für den Arbeiter handelt, sondern dass hier Wohlfahrtspflege durch die Arbeiterschaft ausgeübt werden soll.
Vor allem soziale Reformen und soziale Sicherheit soll sie politisch erstreiten.
Die AWO tritt gleichberechtigt neben die schon bestehenden caritativen Verbände (1926 Anerkennung als Reichsspitzenverband der freien Wohlfahrtspflege).
Die AWO setzt sich für den Vorrang der öffentlichen Wohlfahrt vor der privaten Liebestätigkeit ein, lehnt eine Almosenpolitik ab.
Die AWO betrachtet die Hilfsbedürftigen als gleichberechtigte, gleichzuachtende Staatsbürger, fordert soziale Rechtsansprüche ein.
Die AWO schafft vorbildliche sozialpolitische Einrichtungen (im Jahr 1933 verfügt die AWO über 258 Heime und Einrichtungen der geschlossenen und halboffenen Fürsorge; darunter eine Wohlfahrtsschule, das Modellerziehungsheim Immenhof, 60 Heime der geschlossenen Fürsorge, 70 Kindergärten, Horte und Krippen). Die AWO hilft den Opfern der Weltwirtschaftskrise (über 20 Millionen Menschen waren auf die Hilfen der Wohlfahrtspflege angewiesen).

1931

Die Arbeiterwohlfahrt in Deutschland zählt 34 Bezirke mit insgesamt 2600 Ortsausschüssen. 135.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind in der Kindererholung und im Kinderschutz, in der Altenbetreuung und Jugendhilfe, in Notstandsküchen und Werkstätten für Behinderte und Erwerbslose sowie Selbsthilfenähstuben tätig. Die AWO wird zur Helferorganisation für alle sozial bedrängten und bedürftigen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer Konfession.

1933

Die Arbeiterwohlfahrt wird verboten, Vermögen und Einrichtungen werden beschlagnahmt. Die führenden Männer und Frauen sind der Verfolgung ausgesetzt.

1925-1933

Von 1925 bis 1933 existiert ein AWO-Ortsausschuss als Untergliederung der SPD in Kulmbach; Hans Herold wird als ein aktives Mitglied bekannt.

1945

So fingen wir anNeugründung der Arbeiterwohlfahrt in Deutschland.
Mühsamer Wiederaufbau (fehlende Mittel, geringes Beitragsaufkommen durch Arbeitslosigkeit; Verlust vieler Menschen, die Träger des Gedankenguts waren);
Organisatorische Selbstständigkeit des Verbandes (keine Unterorganisation der SPD mehr). Wie vor 1933 sieht die AWO ihre Aufgabe nicht nur in der Errichtung und Führung von Heimen, sondern vor allem im Zusammenwirken mit allen Stellen der öffentlichen Fürsorge, in der Entwicklung einer erträglichen Sozialgesetzgebung, aber auch in der Schulung und Bereitstellung von ehrenamtlichen Helfern sowie in der Entwicklung und Vertiefung von Arbeitsformen, durch die Hilfe von Mensch zu Mensch gegeben wird.

1949

Marie Juchacz kehrt aus dem Exil zurück; sie wird Ehrenvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt. In Berlin und in den 3 Westzonen gibt es bereits wieder 300.000 Freunde und Mitglieder der AWO; die soziale Arbeit wird von 50.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern geleistet. Es wird eine Wohlfahrtsschule als Seminar für Sozialberufe eröffnet.

1987

Verabschiedung des Grundsatzprogramms der Arbeiterwohlfahrt unter dem Titel „ Humanitäres Handeln aus politischer Verantwortung“.

1990

Nach dem Fall der Mauer ist Deutschland am 3. Oktober wiedervereinigt. Es beginnt ein dynamischer Aufbauprozess der AWO in den 5 Bundesländern. Am 10. November 1990 schließen sich die Landes- und Bezirksverbände auf einem Bundestreffen in Berlin zusammen. Nach 57 Jahren Trennung ist die AWO wiedervereint und flächendeckend in allen Bundesländern vertreten. Die erste gesamtdeutsche Bundeskonferenz findet am 20. und 21. April 1991 in
Nürnberg statt.

1997

Die Arbeiterwohlfahrt wird 75 Jahre alt.
Der regional organisierte Verband hat 640.000 Mitglieder. 100.000 ehrenamtliche Mitarbeiter und Helferinnen teilen sich mit 63.000 Hauptamtlichen die Arbeit. Der Verband unterhält insgesamt 1.366 Heime und Wohngemeinschaften für Alte, Behinderte, Aussiedler und Ausländer, Kinder und Jugendliche. Neben Fortbildungsstätten und Kurheimen tragen auch 30 Frauenhäuser und 20 Hospitäler das neue AWO-Signet. Tagesstätten für alte und junge Menschen, Beratungsstellen für Ausländer, Arbeitslose, Schwangere und Werkstätten aller Art überziehen die Bundesrepublik mit einem dichten Netz. Seit 1959 leistet die AWO Entwicklungshilfe.
Die AWO – ein Verband für soziale Arbeit.
„Vor Ort, das Schicksal des einzelnen ist der eigentliche Brennpunkt des Handelns. Unbürokratisch, flexibel und effizient Hilfe zu leisten, ist dabei unser Leitgedanke. Die Arbeiterwohlfahrt ist die Praktikerin der Sozialpolitik.“
(Manfred Ragati, Bundesvorsitzender der AWO).

2006

Die AWO hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1919 zu einem modernen sozialen Dienstleistungsunternehmen entwickelt, ohne seine Werte, Traditionen und Überzeugungen zu vernachlässigen. Der Gedanke der Selbsthilfe, das Ziel soziale Gerechtigkeit zu erstreiten und zu verwirklichen, den Menschen in den Mittelpunkt allen Handelns zu stellen, bleibt lebendig.

Die AWO hat als demokratisch organisierter Mitgliederverband ein flächendeckendes Netz an Gemeinschaften und Organisationsformen geknüpft und stellt ein lebendiges politisches Element in den Gemeinden, den Städten, im Bund und in den Ländern dar. Zugleich gewährleistet sie mit professionellen sozialen Dienstleistungen die soziale Versorgung und Sicherheit vieler Menschen jeden Alters in dieser Republik „450.000 Mitglieder, 100.000 Ehrenamtliche, 150.000 Beschäftigte in 13.000 Einrichtungen und Servicediensten sind die AWO, sind ein fester Baustein im sozialen System der
Bundesrepublik Deutschland.“ (Wilhelm Schmidt, Bundesvorsitzender)